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Pumpernickel - eine westfälische Spezialität
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Beiträge rund um unseren Heimatort Recke

Kartenausschnitt Recke

Recker Wappen
Recker Wappen
Der westfälische Ort Recke liegt in der sanft geschwungenen Parklandschaft des nördlichen Münsterlandes an den westlichen Ausläufern des Teutoburger Waldes. Somit gehört die Gemeinde zum nördlichen Teil des Kreises Steinfurt. Sie ist durchzogen vom Mittellandkanal und hat eine Gesamtfläche von 53,48 Quadratkilometern. Der 1189 erstmals urkundlich erwähnte Ort hat 11700 Einwohner. Recke wurde geprägt durch den Bergbau und die Tödden (Wanderkaufleute).

So oder so ähnlich stellt die Gemeinde Recke sich in den offiziellen Publikationen vor. Dies wollen wir auch den Fachleuten nicht nehmen. (siehe hier). Um allerdings diesen Ort in seinem westfälischen Umfeld auch noch anders darzustellen, haben wir Beiträge gesammelt, die einige Besonderheiten beleuchten oder einfach nur unterhaltsam Typisches aus der Region erklären.


Pumpernickel - eine westfälische Spezialität

Pumpernickel - schwarzes Brot aus Westfalen Früher eine deftige hausbackene Kost - heute Exportartikel. Was bedeutet der Name?

So merkwürdig wie das Brot ist auch das Wort "Pumpernickel". Woher stammen beide? Über das Herkommen des Brotes ist man sich einig. Es ist westfälischen Ursprungs. Über die Bedeutung des Wortes aber sind die Gelehrten noch nicht einer Meinung.

Seit Jahrhunderten, vielleicht schon seit tausend Jahren und länger, wird in Westfalen das schwarze Brot gebacken. Im landläufigen Sinne jedoch meinte man früher mit "Brot" stets nur Schwarzbrot - Pumpernickel. Wenn man Weißbrot meinte, sagte man "Stuten", und wenn man "Weggen" sagte, meinte man nicht etwa Wecken oder Brötchen, sondern den allerfeinsten süßen Stuten, der fast so groß und rund war wie ein Pflugrad. Weggen wurden nur zu Hochzeiten und Kindtaufen gebacken und in einem großen Kissenbezug transportiert.

Gewöhnlichen weißen Stuten gab es an Sonn- und Feiertagen. In der Woche regierte der Pumpernickel im kulinarischen Reich der Bauernhäuser. Grobkantig, schwer und mächtig wie ein Koloß lag das Schwarzbrot auf dem langen blankgescheuerten Tisch. Brote von fünfzig bis sechzig Pfund Gewicht waren keine Seltenheit, sondern normale Formate. Alles ist wuchtig in Westfalen, die Häuser, die Bäume, die Menschen - warum hätte das Brot anders sein sollen?

Früher backten die westfälischen Bauern ihr Schwarzbrot selbst, heute kaum noch; denn die Bäcker haben die Kunst des Schwarzbrotbackens übernommen und aus dem Pumpernickel sogar einen Exportartikel gemacht. Das grobe Mehl aus geschrotetem Roggen wurde von den Bauern in einen großen Backtrog geschüttet. Wasser wurde hinzugegossen, Sauerteig hinzugesetzt und dann der Mehlhaufen zu einem mächtigen Teig verarbeitet und geknetet, zuweilen nicht allein mit den Händen, sondern mit sauberen bloßen Füßen bis zur höchsten Geschmeidigkeit zurechtgetrampelt! Der backfertige Teig wurde in den glühenden Backofen geschoben, der, aus Lehm und Ziegeln gemauert, unmittelbar am Backhaus auf dem Hof stand. Einen ganzen Tag lang saß das Brot in der Backhöhle; dann war es gar und von tiefbräunlicher Farbe. Ein merkwürdiges Brot, dieses Pumpernickel!

Warum hat man dieses Brot Pumpernickel genannt?

Bei dieser Frage gehen die Meinungen auseinander. Einig ist man sich darin, daß der Pumpernickel aus Westfalen stammt, daß er einen kräftigen Wohlgeschmack hat, daß ernahrhaft, aber nicht gerade leichtverdaulich ist. In einem schwächlichen, von der Zivilisation allzu sehr verwöhnten oder gar umgestülpten Magen kann der Pumpernickel wie ein Stück Blei liegen, bis das Organ sich an die zu leistende Schwerarbeit gewöhnt hat! Woher kommt nun der Name Pumpernickel? - Ich habe manches Buch gewälzt, um diese Frage beantworten zu können; aber eine endgültige Antwort habe ich bis heute noch nicht gefunden. Angeblich soll das Wort zum erstenmal im Jahre 1628 aufgetaucht sein. Da sagt nun der eine, Pumpernickel bedeute so viel wie "Polterkobold". Das könnte also heißen, daß der Pumpernickel seinen Namen dem Ungemach zu verdanken hat, das er durch seine Schwerverdaulichkeit verursacht hat, so daß man beinahe wie der Wolf im Märchen, der die Geißlein gefressen hatte, sagen könnte: Was rumpelt und pumpelt in meinem Bauch herum? Freilich heißt "Nickel" in der alten Sprache der Bergleute so viel wie "Taugenichts", und das Wort galt im Erzbergbau für eine "Drecksubstanz", aus der man reinen Nickel noch nicht abscheiden konnte. So hat auch das Metall Nickel seinen Namen erhalten. Hergeleitet von Nikolaus, galt das Wort auch als Schimpfwort, und wenn man "Pumper" davor setzt, hat man den "Stinknickel", ein Wort, das ja im Niederdeutschen hin und wieder gebräuchlich ist.

Was - unser deftiger Pumpernickel soll mit dem Wort "Stinknickel" abgetan werden? Da sträubt sich etwas in unserem Ehrenkodex! Wir suchen weiter nach einer anderen Erklärung. Dabei stoßen wir auf die Ansicht, daß Pumpernickel nichts anderes bedeutet als "Bon pour Nickel". Diesen Ausdruck sollen französische Soldaten gebraucht haben, als man ihnen in Westfalen Schwarzbrot vorsetzte, das sie aber verschmähten. Sie sollen es ihren Pferden zugeworfen und dabei gesagt haben: "Bon pour Nickel" - Gut fürs Pferd! Daraus soll dann "Pumpernickel" entstanden sein. Aber das ist wiederum eine Erklärung, die keine Ehrenrettung für das schwarze Brot aus Westfalen bedeutet. Warum ist denn heute Pumpernickel eine Delikatesse in vielen fremden Ländern?

Stammt vielleicht das Wort Pumpernickel aus Osnabrück?

Es gibt noch eine andere Erklärung, die zeitlich und auch sinngemäß einleuchtender ist als die beiden anderen Erklärungen des dunklen Wortes Pumpernickel. Sie kommt aus Niedersachsen, aus der Stadt Osnabrück. Dort soll schon um 1450 während einer Hungersnot auf Geheiß der Stadtherren auf Kosten des Stadtsäckels Brot für die armen Leute gebacken worden sein, das "bonum paniculum" - gutes Brot - genannt wurde. Aus diesem "bonum paniculum" machte dann angeblich das Volk, weil es kein Latein verstand, zuerst "Bompernickel" und später "Pumpernickel". Heute noch gibt es in Osnabrück den alten "Pernickelturm", just hier soll der große Backofen gestanden haben, in dem das "bonum paniculum" für die Armen gebacken wurde. Ob's stimmt? - Die Herren Gelehrten mögen sich weiter darum bemühen; denn nach drei Kostproben von unserem westfälischen Pumpernickel ist der gewöhnlich Sterbliche satt.

aus: Die bunte Truhe, Schätze aus dem Tecklenburger Land, von Friedrich Ernst Hunsche, erschienen im Verlag Ibbenbürener Vereinsdruckerei, 1968


Holzschuhe

In Holzschuhen konnte man nicht nur arbeiten, sondern auch tanzen

Wer könnte sich das alltägliche Leben auf dem Lande früher ohne Holzschuhe vorstellen? Wie Strohhüte und deftige blaue Leinenkittel, so gehörten auch die derben Klumpen an den Füßen seit vielen Jahrhunderten zur täglichen Arbeitsausrüstung unserer Bauersleute. Heutzutage werden die Holzschuhe nicht mehr so zahlreich getragen wie einst, sie sind mehr und mehr von derben Schuhen und Gummistiefeln verdrängt worden Es ist nicht bekannt, wer das erste Paar Holzschuhe erfunden und getragen hat. Jedenfalls muß es schon lange her sein, daß ein findiger Kopf auf den Gedanken kam, aus einem Holzstück Schuhe zu machen. Schon die alte Sage, daß die Westfalen mit ihren großen Holzschuhen alle Teufel tottrampeln und deshalb nicht in die Hölle kommen, deutet darauf hin, daß der Holzschuh ein ehrwürdiges Alter hat. Vielleicht hat es bei der Einführung dieses hölzernen Bekleidungsstückes sogar einige Widerstände gegeben, weil alles Neue, auch wenn es die größten Vorteile bietet, zuerst sehr kritisch beuteilt wird. Das war stets besonders im bäuerlichen Leben der Fall, und daraus entspringt dann auch die Zähigkeit, das als gut Erkannte festzuhalten, auch wenn es manchmal nicht ganz zeitgemäß ist. Der Holzschuh erwies sich als außerordentlich nützlich, praktisch und dauerhaft; er hielt die Füße wärmer als der beste Lederschuh, und das war wohl der Hauptgrund dafür, daß der Holzschuh sich durchsetzte und viele Jahrhunderte hindurch als ein unersetzliches Bekleidungsstück im ländlichen und dörflichen Leben geachtet wurde.

Holzschuhe sind nicht überall bekannt

Merkwürdigerweise finden wir Holzschuhe in der uns bekannten geschlossenen Form nur in Westfalen, Niedersachsen, Holland, Belgien und Nordfrankreich, also in einem Gebiet, das seit den frühesten Zeiten von ackerbautreibenden Menschen bewohnt wurde. Acker und Holzschuhe gehören demnach zusammen wie Wasser und Kähne, und eines scheint von dem anderen untrennbar zu sein. Der Franzose nennt seine Holzschuhe "Sabots". Der Niederländer spricht von "Klompen", und wir in Westfalen und Niedersachsen sagen meist "Holsken", reden wohl auch von "Klosken", abgeleitet von dem Fremdwort "Galoschen". Bleiben wir also doch lieber bei den "Holsken". Da der Holzschuh in unserem Gebiet sozusagen fast eine symbolische Bedeutung gewonnen hat, muß man sich eigentlich wundern, daß noch kein Gelehrter auf den Gedanken gekommen ist, eine Kulturgeschichte des Holzschuhs zu schreiben. Aber kluge Köpfe können ja auch nicht an alles denken, und manchmal sehen sie das Natürlichste von der Welt am allerwenigsten! Wenn wir es hier trotzdem wagen, eimal etwas ausführlicher über unsere "Holsken" zu berichten, so sind wir zum größten Teil auf unsere eigene Findigkeit und Erkenntnis angewiesen.

Auch die Holzschuhmacherei als Handwerk ist alt

Holzschuhmacherfamilie bei der Arbeit, Aufn. von 1905

Allein die Tatsache, daß mit dem Auftauchen der Familiennamen im 12. und13. Jahrhundert auch der Holzschuh bei der Bildung der Zunamen eine Rolle spielte, beweist eindeutig, daß schon damals der Holzschuh und ihre Verfertiger, die Holzschuhmacher, weithin bekannt waren. Wiederholt finden wir im 13. und 14. Jahrhundert den Familiennamen "Holzschuh" oder "Holzschuher", z. B. im Jahre 1289 in Nürnberg "Holtschuher", 1341 in Bremen "Holschenmaker". Die Träger dieser Namen waren ohne Zweifel regelrechte Holzschuhmacher; sie versorgten ihre Kundschaft mit derber und dauerhafter Fußbekleidung, die obendrein noch gegenüber den Lederschuhen den Vorzug der Billigkeit hatte. Der vor allem in Westfalen und Niedersachsen häufig vorkommende Familienname "Hölscher" geht ebenfalls auf das Handwerk der Holzschuhmacherei zurück. In Wesel am Niederrhein, also im niederländischen Einflußgebiet, gab es 1551 den Familiennamen "Klumpenmeker", eine Wortform, die klar vom Niederländischen her bestimmt ist.

Wer "Holsken" trug, der sparte Geld

Holzschuhe wurden früher allgemein und werden auch jetzt noch zumeist in rein ländlichen Gebieten getragen, weil diese Art der Fußbekleidung bei der Landarbeit dauerhafter, zweckmäßiger und billiger ist als Schuhe aus Leder. Man sparte dabei manchen Groschen, und vielleicht zum Dank dafür dienten einst alte nicht mehr brauchbare Holzschuhe als häusliche Sparkassen, die des Nachts im Bettstroh lagen und tagsüber in einem anderen diebessicheren Versteck, sofern überhaupt ein Versteck nötig war. Man sagt ja, daß die Menschen früher ehrlicher waren als heutzutage! Ein vor die offene Tür gestellter Besen deutete an, daß niemand im Hause war, und keiner fühlte sich veranlaßt, ungerufen einzutreten. Bis an die Schwelle unseres jahrhunderts gab es noch Bauersleute, die mit einem Paar Lederschuhe nahezu ihr ganzes Leben lang auskamen. Holzschuhe verbrauchten sie natürlich um so mehr. Lederschuhe wurden nur bei festlichen Anlässen angezogen, bei Hochzeiten, Kindtaufen und Sterbefällen. Sonst trug man tagaus, tagein Holzschuhe. Am Sonnabendabend oder am Sonntagmorgen wurden die "Holsken" vom Staub und Schmutz der Woche mit Wasser und Bürste gründlich gesäubert. dann blitzten sie wieder, und wer keinen Kalender hatte, wußte, daß es Sonntag war, wenn ihm die Leute mit blankgescheuerten Holzschuhen begegneten. Am Sonntagnachmittag ging es dann auch wohl zum landesüblichen lustigen "Holskenball", der auf der Diele eines Bauern stattfand. Dabei mag das Klappern der Holzschuhe die Dudelsackmusik von der Diele bisweilen übertönt haben.

Früher gab's nur handgemachte Holzschuhe

Bis vor wenigen Jahrzehnten noch wurden die Holzschuhe ganz in Handarbeit hergestellt. Jetzt überwiegt die Holzschuhanfertigung mit Spezialmaschinen. Das geht bedeutend schneller. Hier und dort aber kann man noch ein paar Männer finden, die das alte Handwerk noch verstehen und mit den rasiermesserscharfen Holzschuhmacherwerkzeugen aus früheren Tagen noch umzugehen wissen. Aber auch hier hat die Mechanisierung - je länger, je mehr - wie in vielen anderen Berufen reinen Tisch gemacht. Die menschliche Hand allein bleibt nicht konkurrenzfähig, wo die Motoren surren und die Masse der Ware das Geschäft macht. Doch ihre alte Form haben die Holzschuhe über die Jahrhunderte bewahrt. So einfach und zweckmäßig wie nur möglich sind sie auch heute noch. Immer noch ist das Holz von Birken, Erlen und Weiden für die Holzschuhherstellung am besten. Alle drei Holzarten lassen sich leicht bearbeiten, sind verhältnismäßig leicht, halten, wenn sie trocken sind, die Füße warm und lassen keine Feuchtigkeit durch. Wollte man die Holzschuhe früher vor Feuchtigkeit und Austrocknung schützen, so schmierte man sie mit brauner Seife ein, besonders an den Stirnflächen des Holzes vorn und hinten. Dadurch sollten sie auch keine Risse bekommen. Wenn aber ein noch nicht abgetragener Holzschuh einen Sprung bekam, so zog man einen Drahtbügel darüber. Und wenn ein gutes Paar allzu sehr abgeschlurrt war, schlug man mit Hilfe eines "Süwwels" (Dorn) und kleiner "Pluggen" (Holzstifte) Kernlederstücke unter die Lauffläche. Das nannte man "Holsken upklaunen". Die Holzschuhe machten dann beim Gehen oder Tanzen wohl etwas mehr Krach; aber aus Sparsamkeitsgründen nahm man das gern in Kauf. Ursprünglich gab es nur die sogenannten "Schellenholsken". Sie waren ganz aus einem Holzklotz angefertigt, hatten also am Oberteil keinen Lederbesatz, wie ihn nun die "modernen" Holzschuhe haben. Diese "Holskenliärs" (Holzschuhleder) sind meist an der Fußkante mit Samt oder Stoff benäht, sehen dadurch schöner aus und schützen die Füße vor Druck beim Gehen. Im Winter legte man sich früher gern "Stoppen" aus Stroh in die Holzschuhe, um die Füße warmzuhalten. Wer auf neuen "Stoppen" zuerst nicht gut laufen konnte, weil das Stroh glatt war, der zog die Holzschuhe kurzentschlossen aus, spuckte erst in den einen, dann in den anderen Holzschuh und stieg wieder ein. Das half dann fürs erste, und wenn das Stroh plattgetreten war, flogen die Holzschuhe sowieso nicht mehr von den Füßen. Ob der Holzschuh einmal ganz aus dem bäuerlichen Leben verschwinden wird? Hier und da klappern noch Holsken auf Acker, Hof und Dielen und leisten den Bauersleuten bei der Arbeit gute Dienste. So ganz salonfähig waren Holzschuhe ja nie; ob sie nun bald museumsreif werden, bleibt abzuwarten. Wenn möglich, sollte etwas Urwüchsiges in unserem Leben erhalten bleiben, solange es noch Sinn und Wert hat, und was viele Jahrhunderte lang gut und echt war, kann nicht auf einmal lieblos über Bord gekantet werden. Das sollte insbesondere auch für unsere "Holsken" gelten.

Aus: Die bunte Truhe, Schätze aus dem Tecklenburger Land, von Friedrich Ernst Hunsche, erschienen im Verlag Ibbenbürener Vereinsdruckerei, 1968.

 
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